1. Sprachkompetenz realistisch einschätzen
Deutschkenntnisse sind wichtig – aber sie dürfen nicht als einziges Kriterium über Eignung entscheiden.
Viele Migrant*innen verfügen über hohe fachliche und soziale Kompetenzen, die sprachlich nicht sofort sichtbar sind.
- Unterscheide zwischen Sprachbarriere und Kompetenzbarriere.
- Beobachte: Versteht die Person Zusammenhänge, auch wenn sie nicht perfekt spricht?
- Nutze einfache Sprache, kurze Sätze, klare Struktur.
2. Systemischer Umgang mit Sprachbarrieren
- „In welchen Situationen gelingt Ihnen Kommunikation besonders gut?“
- „Welche Sprachen sprechen Sie noch?“
- „Wie haben Sie bisher sprachliche Herausforderungen gelöst?“
- „Wer könnte Sie im Einsatz sprachlich unterstützen?“
3. Interkulturelle Sensibilität
Viele Missverständnisse entstehen nicht durch Sprache, sondern durch unterschiedliche kulturelle Muster.
- Direktheit vs. Höflichkeit
- Blickkontakt (kulturell unterschiedlich bewertet)
- Selbstpräsentation (in manchen Kulturen unüblich)
- Rollenbilder (Familie, Schule, Autorität)
4. Faire Bewertung im Gespräch
Bewerte nicht:
- Akzent
- Unsicherheit durch Sprachstress
- Zurückhaltung durch kulturelle Muster
Bewerte stattdessen:
- Motivation
- Verantwortungsbewusstsein
- Erfahrungen im Umgang mit Kindern
- Ressourcen & Problemlösestrategien
5. Mini-Fallbeispiele
Fall 1: Gute Kompetenz – schwache Sprache
Eine Bewerberin spricht gebrochen Deutsch, beschreibt aber sehr klar Situationen aus der Kinderbetreuung.
→ Fokus auf Ressourcen, nicht auf Grammatik.
Fall 2: Starker Akzent – hohe Motivation
Ein Bewerber hat Schwierigkeiten mit Satzbau, zeigt aber klare Verantwortungsbereitschaft.
→ Einsatz möglich mit Begleitung in der Startphase.
6. Praktische Tools
- Checkliste „Sprachkompetenz fair einschätzen“
- Fragenkatalog in einfacher Sprache
- Mini‑Glossar für Bewerber*innen
- Visuelle Gesprächsstruktur (Icons statt Text)
7. Mini‑Glossar
- Einfaches Deutsch: kurze Sätze, klare Wörter.
- Interkulturelle Kompetenz: Unterschiede verstehen und respektieren.
- Sprachbarriere: Kommunikation erschwert, aber nicht unmöglich.
8. Basisquellen
- BAMF – Integrationskurse & Sprachförderung
- Goethe Institut – Sprachkompetenzrahmen
- Interkulturelle Kommunikation – Thomas/Schroll‑Machl